Hartz-IV-Empfänger

Fakten gegen Vorurteile

(Buxtehude, 12.03.2013) Langzeitarbeitslose hatten in der Bundesrepublik schon immer mit einem schlechten Ruf zu kämpfen. Bei vielen Bürgern galten sie als bequem oder sogar faul. Mit der Hartz-IV-Gesetzgebung haben sich zwar die Förderbedingungen geändert, nicht aber die Vorurteile. Die Bundesagentur für Arbeit hat nun die Ergebnisse einer Umfrage zu diesem Thema veröffentlicht. Im Wesentlichen bestätigt sie das, was Bildungsträger und andere arbeitsmarktpolitische Dienstleister schon seit vielen Jahren als Erfahrung gemacht haben: Meist sind diese Vorurteile Irrtümer.

 „Die Befragung bestätigt, was mir die meisten Arbeitgeber auch in persönlichen Gesprächen berichten“, sagt Heinrich Alt, Vorstand Grundsicherung der BA. „Ehemalige Hartz-IV-Empfänger sind motiviert und engagiert, auch wenn oder gerade weil ihre Biografien oft Ecken und Kanten haben“. Für viele überraschend äußerten sich die befragten Arbeitgeber, die in den letzten Jahren Hartz-IV-Bezieher eingestellt haben, überwiegend positiv: Etwa zwei Drittel von ihnen waren zufrieden. Nico Schoenecker, Geschäftsführer der Fa. Autobus Oberbayern, empfiehlt sogar seinen Managementkollegen, „im Kampf gegen den Personalmangel auf Hartz-IV-Bezieher zurückzugreifen“.

Bezeichnend ist auch der Zusammenhang zwischen der genaueren Kenntnis der Lebensumstände von Hartz-IV-Beziehern und dem Urteil über sie: Diejenigen, die näheren persönlichen Kontakt zu sogenannten „Hartz-IV-Beziehern“ haben, zeigen häufiger Verständnis für deren schwierige Situation. Sie stimmen in überdurchschnittlich hohen Anteilen voll und ganz zu, wenn es heißt, dass sich SGB II-Empfänger finanziell sehr einschränken müssen (79 Prozent), über ihre Situation unglücklich sind (39 Prozent) oder sich überflüssig, nicht anerkannt fühlen (30 Prozent). Personen ohne näheren Kontakt zu Leistungsbeziehern können das deutlich seltener nachempfinden. Lediglich die Qualifikation wird von den Arbeitgebern ein wenig zurückhaltender beurteilt – damit ist nur gut die Hälfte von ihnen zufrieden. Deshalb werden auch in den kommenden Jahren große Anstrengungen unternommen, um langzeitarbeitslose Menschen weiterzubilden und ihnen darüber einen neuen Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen.