Einführung des Europäischen Berufsausweises schlägt hohe Wellen

Vor allem das Handwerk sieht seine Existenz gefährdet

Uneinigkeit herrscht derzeit in Deutschland, wenn es um den Europäischen Berufsausweis geht: Um mehr Mobilität für Fachkräfte zu ermöglichen und gleiche Bedingungen am europäischen Arbeitsmarkt herzustellen, plant die EU die Einführung einer neuen Richtlinie. Der Europäische Berufsausweis (EPC) soll dafür sorgen, dass die in einem Land erworbenen beruflichen Qualifikationen auch in jedem anderen EU-Staat ohne größeren bürokratischen Aufwand anerkannt werden.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales begrüßt diese Maßnahme ausdrücklich, verspricht sie doch eine praktikable Lösung für den in Deutschland herrschenden Mangel an qualifizierten Fachkräften. Doch wie immer hat auch diese Medaille eine Kehrseite: Der Zentralverband des Deutschen Handwerks sieht damit das System der bewährten dualen Ausbildung gefährdet. Wenn ausländische Fachkräfte mit einer geringwertigeren Ausbildung den deutschen Arbeitnehmern gleichgestellt würden, zerstöre das die gewachsenen deutschen Ausbildungs- und Qualitätsstandards.

Die Verbraucher wiederum dürften letzten Endes profitieren, wenn sich durch steigenden Wettbewerb das Preisgefüge nach unten bewegt – doch dürfte das auch zu Lasten der Qualität gehen. Kanzlerin Angela Merkel jedenfalls verteidigt die deutsche Ausbildungskultur und signalisiert ganz klar in Richtung Brüssel: „Qualität hat auch ihre Kosten, dafür müssen wir kämpfen“.