Familie und Beruf – so gelingt der Wiedereinstieg nach der Elternzeit

Nach der Elternzeit steigt rund ein Drittel aller Frauen nicht wieder ins Berufsleben ein. Und diejenigen, die zurückkehren, arbeiten nur selten in Vollzeit.

Plagen dich auch Zweifel bezüglich deiner Rückkehr in den Job? Das muss nicht sein, wenn du die Weichen früh genug stellst!

Nach wie vor sind es eher Frauen, die in Elternzeit gehen oder sich um die Kinder kümmern. Und gerade dieser Personengruppe fällt es oft schwer, sich nach der Elternzeit oder einer längeren Auszeit wieder zu bewerben. Zum einen können den Bewerberinnen auf Arbeitgeberseite Vorbehalte und veraltete Rollenbilder entgegenstehen. Zum anderen liegt es natürlich aber auch in der Hand der Mütter, sich bestens auf die bevorstehende berufliche Auszeit und den Wiedereinstieg ins Berufsleben vorzubereiten.

Mutterschutz und Elternzeit – was dir zusteht und was du bereits vor deiner Auszeit tun kannst

Der Anspruch auf Mutterschutz und Elternzeit ist in Deutschland im Mutterschutzgesetz bzw. im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz geregelt. Der Mutterschutz gilt sechs Wochen vor dem Entbindungstermin und acht Wochen nach der tatsächlich erfolgten Entbindung. In der Regel musst du deinen Arbeitgeber nicht über deine Schwangerschaft informieren. Aber es ist durchaus empfehlenswert.

Zum einen kann der Arbeitgeber dann alles tun, um die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Zum anderen wirkt eine offene Kommunikation ab etwa der zwölften Schwangerschaftswoche vertrauensbildend. Schließlich möchtest du wahrscheinlich nach dem Mutterschutz und der Elternzeit wieder in die gleiche Position und dasselbe Team zurück. Um sich diesen Weg nicht schon anfangs zu verbauen, ist Offenheit im Verhältnis mit dem Arbeitgeber wichtig.

Jedem Elternteil stehen jeweils bis zu 36 Monate Elternzeit zu, die gemeinsam oder getrennt beantragt werden können. Du hast einen Anspruch auf Elternzeit bis zum vollendeten dritten Lebensjahr deines Kindes. Davon kannst du – für Geburten ab dem 01.07.2015 – 24 Monate zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des Kindes flexibel beanspruchen. Auch hier empfehle ich, so früh wie möglich mit dem Arbeitgeber zu sprechen, ganz unabhängig von den geltenden Fristen.

Während der Elternzeit darfst du maximal 30 Stunden arbeiten. Mache dir also Gedanken darüber, wie du die Elternzeit regeln möchtest und ob du Teilzeit in der Elternzeit beantragen willst. Je früher du mit deinem Arbeitgeber in die Kommunikation gehst, umso besser. Rede offen über deine Pläne, sodass dein Chef zumindest grob planen kann, was nach deinem Wiedereintritt passieren soll.

Während der Elternzeit Kontakt halten

„Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt“, so heißt es im Volksmund. Dieses Prinzip solltest du dir auch während der Elternzeit vor Augen halten. Ob und für wie viele Stunden du nach einer Familienauszeit wieder in deinen alten Job einsteigst, musst du sieben Wochen vor Beginn der Elternteilzeit schriftlich beantragen, egal was du dem Unternehmen vorher mitgeteilt hast. Außerdem ist es immer schön, in das alte Team oder zumindest eine verwandte Abteilung zurückzukehren.

Daher ist es wichtig, auch während der Auszeit Kontakt zum Unternehmen zu halten. Denn Anspruch auf genau denselben Arbeitsplatz hat man nicht – dein Chef kann dir auch eine vergleichbare Position anbieten. Um dem also vorzubeugen, ist es ratsam, sich während der Elternzeit in regelmäßigen Abständen im Unternehmen zu melden.

Frage nach deinem Team, nach neuen Strukturen und zeige dich interessiert an neuen Weiterbildungsmöglichkeiten. Viele Unternehmen bieten interne Weiterbildungen auch für Elternzeitler an. Und sollte das nicht der Fall sein, informieren dich auf eigene Initiative, zum Beispiel bei der Agentur für Arbeit. Es gibt auch Angebote, die direkt auf Berufsrückkehrer zugeschnitten sind – oder sogar auf Alleinerziehende.

Weiterbildungen oder sogar ein Fernstudium während der Familienauszeit zu absolvieren, hat nicht nur den Vorteil, dass man sich für den Wiedereinstieg beim alten Arbeitgeber fit hält. Solltest du nicht mehr bei deinem vorherigen Arbeitgeber einsteigen wollen oder können, machst du dich so interessanter für den Arbeitsmarkt und hast keine gefühlte „Lücke“ im Lebenslauf.

Ein Vater sitzt vor der Couch mit einem Laptop auf dem Boden. während neben ihm ein kleines Kind lacht.
Die Elternzeit kann man auch für Weiterbildung nutzen – familienfreundlich sogar von zu Hause aus.

Wiedereinstieg nach der Elternzeit

Deutsche Mütter (und Väter) haben mit einer möglichen dreijährigen Elternzeit die längste verfügbare Familienphase in Europa. Ein zusätzlicher Benefit: Nach der Elternzeit und auch nach der Elternteilzeit hast du wieder einen Anspruch auf eine Vollzeitposition, sofern du vor der Familienphase auch in Vollzeit gearbeitet hast. Dies gilt aber (noch) nur für den Wiedereinstieg nach der Elternzeit, nicht aber für die Beantragung einer regulären Teilzeit.

Daher mein Tipp: Nutze deine Elternzeit und bleibe im Austausch mit deinem Vorgesetzten. In vielen Unternehmen gibt es auch einen Familienservice. Halte dich auf dem Laufenden, ob und wie sich die Rechtsprechung in Bezug auf Elternzeit und Verringerung der Arbeitszeit ändert. Entscheide notfalls erst „im letzten Moment“, nämlich drei Monate vor dem Beginn deiner Teilzeit, den Antrag zu stellen. Denn fast 50 Prozent aller erwerbstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit, ob gewollt oder ungewollt.

Neuorientierung nach der Elternzeit oder Elternteilzeit

Nur 36 Prozent aller Eltern finden es einfach, Karriere und Familie miteinander zu vereinbaren. Seien es starre Arbeitszeitmodelle, unflexible Teammitglieder oder auch unzureichende Kinderbetreuungs-möglichkeiten. Das kann dazu führen, auf einen neuen Arbeitgeber angewiesen zu sein.

Vielleicht befindest du dich ja auch in der Situation, dass dein Arbeitsvertrag bei deiner Firma befristet war und in der Elternzeit ausgelaufen ist. Wenn du dich also – aus welchen Gründen auch immer – aus der Elternzeit oder auch der familienbedingten Teilzeit heraus neu bewerben möchtest, findest du im Folgenden einige Hilfestellungen für die Gestaltung deines Lebenslaufes.

Elternzeit im Lebenslauf
  • Wenn du dich aus der Elternzeit heraus bewirbst, bist du weiterhin angestellt. Du kannst daher im Lebenslauf deine Position als „bis heute“ weiterführen.
  • Wenn du Weiterbildungen besucht haben solltest, gib diese mit Datum unter dem Punkt „Aus- und Weiterbildung“ an.
  • Wenn dein Vertrag während der Elternzeit ausgelaufen ist, füge als aktuellste Station den Punkt Elternzeit ein. Hier solltest du Weiterbildungen als einzelne Bullet Points aufführen. So haben Personaler gleich einen positiven Eindruck und sehen, dass du dich während der Elternzeit auch beruflich weiterentwickelt hast.
  • Weiterer Tipp: In der Kopfzeile des Lebenslaufes musst du Familienstand und Kinder nicht angeben. Was früher einmal Standard war, ist heute eher ungebräuchlich. Möchtest du dein(e) Kind(er) dennoch erwähnen, dann schreibe etwas wie „Zwei Kinder, Betreuung gesichert“.
Elternzeit im Anschreiben

Im Anschreiben musst du die Elternzeit dann nicht erwähnen, wenn du während dieser Zeit in Teilzeit gearbeitet hast.

Solltest du nicht gearbeitet haben, so formuliere beispielsweise:

„… meine Elternzeit habe ich genutzt, um mich im Bereich xyz weiterzubilden. Daher bin ich nun auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung.“

„… da sich meine Abteilung während meiner Elternzeit neu ausgerichtet hat, suche ich jetzt nach einer neuen beruflichen Herausforderung.“

Einzig Formulierungen, die dich zu sehr auf deine Elternrolle reduzieren, solltest du vermeiden, wie etwa:

Meine Kinder sind mein absoluter Lebensmittelpunkt. Durch sie konnte ich lernen, parallel die verschiedensten Aufgaben zu meistern.“

Denn Martin Wehrle, Karriereberater und Gehaltscoach, sagt nicht von ungefähr: „Ihre Entscheidung für ein Kind wird als Entscheidung gegen eine Karriere gewertet. Deshalb passiert es oft, dass Frauen nach der Geburt eines Kindes in der Hierarchie eine Rutschfahrt nach unten erleben.“

Natürlich ist das ein Vorurteil. Die Elternzeit sollte deshalb nicht verschwiegen werden. Aber: Durch geschickte Formulierungen in Anschreiben und Lebenslauf kannst du solchen Vorurteilen vorbeugen.

Für Fragen zu diesem Thema stehe ich dir gerne zur Verfügung!

Katharina Hain

Katharina ist seit 2007 im Recruiting tätig und seit Mitte 2017 für den Auf- und Ausbau des Relationship Managements bei Hays verantwortlich. Das ist genau nach ihrem Geschmack, denn die Beratung und das Coaching von Bewerbern rund um die Themen Karriere, Lebenslauf, Markt und Co. machen ihr besonders viel Spaß.

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