Kurzarbeit 2020 – die 13 wichtigsten Fragen und Antworten für Arbeitnehmer

Kurzarbeit ist (leider) gerade für viele ein großes Thema. Dass man auf die Ankündigung von Kurzarbeit erst einmal mit einer gewissen Beunruhigung reagiert, ist völlig normal. Überhaupt stellt Corona ja derzeit Gesellschaft und Wirtschaft ganz schön auf den Kopf. Grundsätzlich ist aber festzuhalten: Kurzarbeit ist kein Weltuntergang, im Gegenteil. Kurzarbeit hilft letztendlich, Krisensituationen wie die jetzige zu überwinden, ohne Mitarbeiter* entlassen zu müssen, also Beschäftigung zu sichern.

Trotzdem: Die Verunsicherung ist groß und nicht alles, was auf den offiziellen Seiten und in den Nachrichten verkündet wird, ist einfach erklärt. Mit den folgenden 13 Fragen möchten wir über die Dinge sprechen, die derzeit viele Arbeitnehmer – und womöglich auch dich – bewegen: Was bedeutet Kurzarbeit konkret, welche Folgen bringt Kurzarbeit mit sich, wie sind die (rechtlichen) Bedingungen? Gleichzeitig möchten wir dir Perspektiven eröffnen: Wie kannst du deinen Alltag mit Kurzarbeit sinnvoll gestalten, an was ist mit Blick auf die Zeit “danach” zu denken?

Ich soll in Kurzarbeit. Was muss ich jetzt tun?

Grundsätzlich liegt alles Organisatorische, also der Antrag auf Kurzarbeit, beim Arbeitgeber. Nur, wenn deine Firma keinen Betriebsrat hat und / oder keine Tarifverträge vorliegen, die alles zum Thema Kurzarbeit regeln, musst du eine Vereinbarung bzw. Erklärung unterschreiben, da in diesem Fall jeder einzelne Mitarbeiter der Kurzarbeit zustimmen muss. Auch, wenn die Situation etwas überfordernd sein mag, gilt hier: Wenn du dir bei Vertragsänderungen unsicher bist, frag Experten um Rat. Auskunft geben können hier z. B. Gewerkschaften, Rechtsanwälte, aber auch Verbraucherzentralen.

Wenn klar ist, dass alle oder anteilig Mitarbeiter in Kurzarbeit gehen müssen, sind natürlich separate Absprachen und schriftliche Vereinbarungen wichtig: Wer arbeitet wie viel? Wie lange soll die Kurzarbeit voraussichtlich gehen? Welche Aufgaben haben in dieser Zeit Priorität, was darf liegenbleiben? Bestenfalls kommt deine Führungskraft hier auf dich zu. Bleibt ein klärendes Gespräch aus, solltest du es aktiv einfordern. Wichtig ist, dass alle Beteiligten Klarheit haben.

Ein Antragsbogen für Kurzarbeit
Kurzarbeit wird von deinem Arbeitgeber beantragt. Die konkrete Umsetzung sollte aber mit dir abgesprochen werden.

Wie lange gilt die Kurzarbeit und wie schnell kann der Arbeitgeber meine Stundenanzahl wieder erhöhen?

Kurzarbeitergeld kann generell zwölf Monate bezogen werden. Bei außergewöhnlichen Verhältnissen ist eine Verlängerung auf 24 Monate möglich. Die Verlängerungsmöglichkeit gilt auch, wenn während der Kurzarbeit eine Weiterbildung absolviert wird. Wie lange du in Kurzarbeit geschickt wirst, muss intern festgelegt sein. Grundsätzlich musst du dem Arbeitgeber weiterhin zur Verfügung stehen, d. h. eine spontane Weltreise solltest du derzeit nicht nur wegen der eingeschränkten Aus- und Einreisebestimmungen lieber nicht buchen. Allerdings wird sicher niemand von heute auf morgen von dir verlangen, wieder ins Büro oder in die Werkstatt zu kommen. Trotzdem ist es wichtig, erreichbar zu sein, am besten per Handy.

Kurzum: Ziel aller Beteiligten wird es sein, schnell wieder auf den normalen Stundenumfang zu kommen, deshalb können Arbeitszeiten auch kurzfristig wieder erhöht werden. Meist gibt es auch (tarif-)vertragliche Regelungen hierzu.

Wie wird Kurzarbeitergeld berechnet?

Vereinfacht gesagt, werden 60 Prozent bzw. 67 Prozent (bei mind. einem Kind) des ausfallenden Nettolohns durch die Bundesagentur für Arbeit aufgestockt, d. h. die eigene Firma kommt nur für die reale Arbeitszeit auf (Kurzlohn) – z. B. für 10 statt 40 Wochenstunden – und einen Teil der Differenz zum normalen Gehalt zahlt der Staat (Kurzarbeitergeld). Welche Summe du am Ende herausbekommst, hängt also auch damit zusammen, wie viel du de facto noch arbeitest.

Update: Auf Basis des am 15.5.2020 ratifizierten Sozialschutzpaket II erhöht sich die Aufstockung ab dem vierten Monat auf 70 Prozent (77 Prozent mit Kindern) und ab dem siebten Monat auf 80 Prozent (87 Prozent mit Kindern).

Wer zahlt mir das Kurzarbeitergeld und kann ich mit dem gewohnten Zahlungszeitpunkt rechnen?

Hier können wir dich beruhigen: Genauso wie die Berechnung sollte die Zahlung des Kurzarbeitergelds über deinen Arbeitgeber erfolgen wie dein Gehalt sonst auch, zum gewohnten Zeitpunkt. Du erhältst eine normale Abrechnung. Um alles Weitere kümmert sich dein Betrieb.

Welche Auswirkungen hat Kurzarbeitergeld auf meine soziale Absicherung?

Auch, wenn wir in der Kurzarbeit weniger Geld auf dem Konto haben, bleibt die soziale Absicherung in der Kranken-, Renten-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung erhalten.

Viele machen sich gerade Sorgen um ihre Rente, aber hier können wir dich beruhigen, denn auch in Zeiten der Kurzarbeit werden Rentenansprüche erworben. Weil wir unterm Strich weniger verdienen, werden aber natürlich auch unsere Beiträge kleiner. Laut der Rentenversicherung wirkt sich Kurzarbeit trotzdem eher gering auf die späteren Ansprüche aus – auch, weil dein Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet ist, deine Rentenbeiträge ggf. aufzustocken, sodass auch bei Kurzarbeit “auf null” 80 % der Beiträge gezahlt werden.

Wie ist das mit den Steuern?

Auch wenn das Kurzarbeitergeld Unternehmen in der Krise entlastet und Arbeitsplätze erhält, müssen leider viele bei der nächsten Steuererklärung mit nicht zu verachtenden Nachzahlungen rechnen. Zwar fallen auf Kurzarbeitergeld keine Steuern an. Am Ende des Jahres wird es aber trotzdem zum Einkommen gezählt und hier dann doch versteuert … also besser schon jetzt etwas beiseite legen.

Darf ich während der Kurzarbeit einen Nebenjob annehmen und Geld hinzuverdienen?

Wenn plötzlich Geld fehlt, man aber gleichzeitig Zeit “übrig” hat, liegt der Gedanke nahe, sich während der Kurzarbeit einen Nebenjob zu suchen. Das ist in Absprache mit deinem Hauptarbeitgeber möglich. Allerdings wird das Geld, das du verdienst, dann mit deinem Kurzarbeitergeld verrechnet.

Ausnahme hier: Entscheidest du dich für eine Nebenbeschäftigung in einem systemrelevanten Bereich, ohne insgesamt über dein normales Nettogehalt zu kommen, hat das zumindest im Zeitraum vom 01.04.20 bis 31.10.2020 keinen Einfluss auf das Kurzarbeitergeld.

Also: Wenn du dir etwas dazuverdienst, kombiniere das doch gleich mit einem wichtigen Beitrag für die Gesellschaft und hilf z. B. bei der Ernte oder im Supermarkt um die Ecke, unterstütze Apotheken, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen …

Übrigens: Hattest du vorher schon eine Nebentätigkeit, werden Einkünfte daraus nicht aufs Kurzarbeitergeld angerechnet.

Kann ich in Kurzarbeit gekündigt werden?

Kurzarbeit ist letztendlich ja dafür da, dass Arbeitgeber ihre Mitarbeiter nicht entlassen müssen, deshalb ist eine Kündigung erst einmal unwahrscheinlicher. Trotzdem schließt Kurzarbeit betriebsbedingte Kündigungen als letztes Mittel nicht aus, wenn Arbeitsplätze auf Dauer nicht zu halten sind. Immerhin: Vorherige Kurzarbeit wirkt sich nicht auf das Arbeitslosengeld aus.

Wirkt sich Kurzarbeit auf meinen Urlaubsanspruch aus?

Wer weniger arbeitet, hat (leider) auch weniger Anspruch auf Urlaub. Bisher gibt es keine einheitlichen Regelungen, der europäische Gerichtshof spricht Arbeitgebern jedoch das Recht auf Kürzung des Jahresurlaubs zu. Eigentlich logisch: Wer z. B. tatsächlich auf “null” gesetzt wird, d. h. einige Zeit lang gar nicht arbeitet, hat für diese Zeit (leider) auch keinen Urlaubsanspruch.

Übrigens: Bereits genehmigter Urlaub kann und sollte natürlich auch in der Kurzarbeit genommen werden. Tatsächlich gibt es dann auch ein normales Urlaubsentgelt, d. h. in dieser Zeit gilt die Kurzarbeitergeldregelung nicht.

Darf ich in Kurzarbeit Überstunden machen?

Überstunden in Kurzarbeit – das ist ja irgendwie ein Widerspruch in sich. Grundsätzlich lautet die Antwort daher: Nein. Werden Überstunden doch angeordnet, müssen diese bezahlt werden, was wiederum den Anspruch auf Kurzarbeitergeld verringert. Also Überstunden besser meiden.

Was, wenn ich krank werde?

Weil du auch in Kurzarbeit den vollen Versicherungsschutz genießt, gelten die üblichen Regeln: Solltest du krank werden, hast du Anspruch auf eine sechswöchige Fortzahlung des Kurzlohns (Geld vom Arbeitgeber für die reale Arbeitszeit, z. B. 10 statt 40 Stunden/Woche) und die Fortzahlung des Kurzarbeitergeldes, d. h. die ersten sechs Wochen sind wie gewohnt gesichert. Danach erhältst du – wie sonst auch – Krankengeld durch die Krankenkasse, das ebenfalls wie gewohnt berechnet wird.

Darf ich mich weiterbilden?

Unbedingt! Besser kann man die Zeit, die einem auf einmal (unfreiwillig) zur Verfügung steht, wohl kaum nutzen. Wie oft hast du schon über eine Weiterbildung nachgedacht und dann hat es doch nicht gepasst? Jetzt wäre genau der richtige Moment – für dich und deine Firma. Denn die Kombination von Kurzarbeit und Weiterbildung ist sehr erfolgversprechend, weil nach der Krise mit noch besser ausgebildeten Mitarbeitern wieder durchgestartet werden kann.

Doch wie eine Fortbildung machen in Zeiten, in denen mit #stayathome bzw. #wirbleibenzuhause dazu aufgerufen wird, in der Wohnung zu bleiben, und viele im Home Office arbeiten? Nicht erst seit Corona kann man sich bequem von zu Hause aus online weiterbilden.

Informiere dich zu beruflichen Weiterbildungen, den zahlreichen staatlichen Förderungsmöglichkeiten und besprich diese mit deinem Arbeitgeber, damit es nach der Krise karrieretechnisch noch besser für dich aussieht! Du kannst zum Beispiel Englisch oder Spanisch lernen, mehr über Online- und Social- Media-Marketing erfahren, deine BWL-Kenntnisse auffrischen oder eine Fortbildung im Bereich Qualitätsmanagement machen. Eine Weiterbildung hilft dir für zukünftige Gehaltsverhandlungen im Unternehmen oder für etwaige Bewerbungen, falls sich dein Unternehmen doch nicht mehr aufrappeln können sollte. Nutze die Chance!

Die Zeit sinnvoll nutzen: Kurzarbeit bietet eine gute Gelegenheit zur Weiterbildung – gerne im digitalen Live-Unterricht.

Was kann ich sonst tun mit der ganzen (unfreiwilligen) Freizeit?

Natürlich ist es etwas makaber, mit Blick auf Kurzarbeit von Extra-Freizeit zu sprechen. Letztendlich haben wir aber unterm Strich wirklich mehr Zeit für Dinge, die sonst vielleicht zu kurz kommen. Gleichzeitig kommen in Zeiten von Corona und Home Office natürlich auch zusätzliche Aufgaben auf uns zu und insbesondere für Familien bedeutet die derzeitige Situation eine große Mehrbelastung. Deshalb umso wichtiger: Auch Zeit für sich einplanen, die eigenen Emotionen, Sorgen und Gedanken ernst nehmen. Physische Distanz wahren, aber keine soziale Distanz (#wirbleibenzuhause)!

Über die Möglichkeit zur beruflichen Weiterbildung wurde oben schon gesprochen: Gerade jetzt wäre die Zeit dafür, sich für die (digitale) Zukunft zu wappnen. Aber vielleicht wolltest du ja auch schon immer mal Stricken lernen oder dein Badezimmer renovieren oder einen Roman schreiben oder ein Möbelstück bauen oder das Sauerteigrezept von Oma ausprobieren. Vielleicht möchtest du auch nur auf dem Sofa sitzen und Serien gucken – das ist natürlich genauso okay. Weitere Tipps und Ideen für die “Mehrzeit”, über die wir alle derzeit durch die (teils selbst auferlegten) Beschränkungen verfügen, findest du auch im Blogbeitrag “Super, endlich Langeweile” von unserer Kollegin Stella.

* Die Autorin dieses Blogeintrags präferiert eigentlich Lösungen wie z. B. das Gendersternchen, auf das hier aus Gründen der Lesbarkeit verzichtet wird. Grundsätzlich sind im Text immer alle Personen (m / w / d) mitgemeint.

Eileen von Kocemba

Eileen ist Mitarbeiterin in der Pädagogischen Abteilung des IBB und unterstützt dort die Dozierenden und Mitarbeiter*innen in allen Fragen zur Unterrichtsgestaltung, gibt Schulungen und ist u. a. am Recruitingprozess und der Ausarbeitung neuer Konzepte beteiligt. Vorm IBB hat sie Germanistik, Politikwissenschaft und Fremdsprachendidaktik (Deutsch als Fremdsprache, Kulturvermittlung) studiert.

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Ines Meyer
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Ines Meyer

Mein Arbeitsvertrag 7,5 Stunden pro Tag
Jetzt habe ich täglich nur 3 Stunden gearbeitet bekomme somit für die 3 Stunden Kug für die 4,5 Stunden Nichts also habe ich einen Stundenlohn von 4,13 Euro Wie soll ich damit leben

Thomas Horn
Admin
Thomas Horn

Oh, das wäre wirklich zu wenig. Wenn es korrekt laüft, müsste es sich folgendermaßen zusammensetzen: 3 Stunden normales Gehalt (vom Arbeitgeber) plus 60 % Kug für die restlichen 4,5 Stunden. Wenn das nicht so ist, sollte das dringend mit dem Arbeitgeber besprochen werden!

Viele Grüße
Thomas vom Redaktionsteam