Ein beruflicher Neuanfang ist nie leicht. Aber wie funktioniert er in einem fremden Land, dessen Sprache man anfangs nicht versteht? Vor dieser Herausforderung stehen viele Geflüchtete. So erging es auch Kseniia Maslevtseva, die hier ihre Erfahrung eindrucksvoll mit uns teilt.
Sie kam 2022 aus der Ukraine nach Deutschland, ohne ein Wort Deutsch zu können. Seitdem hat sie die Sprache gelernt und sich in Deutschland integriert. Jetzt baut sich Kseniia Maslevtseva eine neue berufliche Existenz auf. Wie ihr das gelingt und worauf sie besonders stolz ist, das erfahrt ihr im Interview. Viel Spaß!
Liebe Frau Maslevtseva, bitte stellen Sie sich doch kurz einmal vor.
Ich bin Kseniia. Ich bin 39 Jahre alt und habe eine volljährige Tochter. Seit 2022 wohne ich in Deutschland, in Peine. Ich bin wegen des Kriegs in der Ukraine hierhergekommen. Zurzeit bin ich auf Arbeitssuche.
Wir drücken die Daumen dafür. Wie schwierig war es am Anfang, sich in Deutschland sprachlich und kulturell zurechtzufinden?
Am Anfang war es für mich sehr schwer, weil ich in der Ukraine nur Englisch gelernt hatte, kein Deutsch. Ohne Sprache fühlte ich mich wie ein Baby, wie ein Kind hier in Deutschland. Ich musste immer jemanden fragen und um Hilfe bitten. Und das war natürlich schwer.
Aber jetzt können Sie ja schon fließend Deutsch. Wie lange hat es gedauert, Deutsch zu lernen?
Ich habe lange auf einen Kurs gewartet. Hier in Peine war die Situation mit Deutschkursen schwierig. Und danach habe ich einen Integrationskurs über das Jobcenter erhalten. Damals war ein Coach bei mir. Sie sagte: “Kseniia, worauf wartest du? Du musst einen Kurs finden. Wenn deine Stadt keinen hat, musst du eine andere Stadt finden.”
Deshalb haben wir zusammen in Braunschweig eine Schule gesucht. Wir haben einen Termin gemacht und so habe ich die Schule besucht. Und danach habe ich einen Deutschkurs (Anmerkung der Redaktion: Coaching mit Kompetenzerweiterung Deutsch) beim IBB gemacht. Seitdem ich Deutsch gelernt habe, fühlte ich mich besser. Das war so etwa nach einem Jahr.
Wie wichtig ist es für die Integration? Hat man gemerkt, dass Sachen auch besser funktionieren, je besser das Deutsch war?
Ja. Ich konnte im Laden etwas sagen, etwas bestellen, in die Apotheke gehen ohne Dolmetscher, zum Arzt und so weiter.
Welche Tipps können Sie anderen Menschen geben, die als Ausländer nach Deutschland kommen und die Sprache nicht beherrschen?
Ich würde sagen, man muss einen guten Kurs finden, der zu einem passt. Egal ob es offline oder online ist. Ich selbst bevorzuge Präsenzkurse, das ist für mich besser. Aber es gibt Menschen, die gut online lernen oder zum Beispiel ein kleines Kind haben und das ist besser für sie. Ich habe Deutsch auch online gelernt beim IBB. Und ich habe auch oft den Podcast “Easy German” gehört.
Sie haben eine Weiterbildung beim IBB gemacht. Welche Kurse waren das genau?
Beim IBB habe ich im Jahr 2022 ein Einzelcoaching mit Kompetenzerweiterung Deutsch in den Niveaus A1 und A2 gemacht. Ich hatte dafür eine Förderung über AVGS (Anmerkung der Redaktion: Abkürzung für Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein).
Dann bin ich zum IBB zurückgekommen und habe noch eine Weiterbildung in Lagerlogistik, MS Office Vertiefung, Marketing und Vertrieb gemacht.
Wie kam es dazu, dass Sie sich für diesen Bereich als Weiterbildung entschieden haben?
In der Ukraine habe ich als Managerin und Teamleiterin gearbeitet, aber bei uns ist das ein bisschen anders als in Deutschland. Als Teamleiterin war ich für alles zuständig: für Lager, für Kunden, für Vertrieb, für Einkauf. Ich musste zum Beispiel auch unseren Lagerbestand analysieren und die Bestellungen machen. Ich wusste also alles in diesem Bereich. Seit dieser Zeit interessiert mich Lagerlogistik und Marketing.
Daher habe ich überlegt, welche Stelle ich in Deutschland finden kann, für die ich meine Arbeitserfahrungen mitbringen kann. Ich habe gesucht und habe so erkannt, welche Fähigkeiten ich noch brauche, damit ich hier eine Stelle finde. Und deshalb habe ich diese Weiterbildungen gemacht.
Wir hatten gelesen, Sie haben zuvor als Spezialistin für Bautechnik der Luftfahrtantriebe gearbeitet …
Das hatte ich in der Uni gelernt, ja. Aber leider habe ich keine Berufserfahrung in diesem Bereich.
Das ist also jetzt kein kompletter Neustart, sondern baut auf Ihren Berufserfahrungen in der Ukraine auf.
Ja, genau.
Wie lief die Weiterbildung beim IBB ab?
Ich habe jeden Tag am Unterricht mitgearbeitet. Ich konnte von zuhause aus teilnehmen.
Auf welche Leistung während Ihres Neuanfangs sind Sie besonders stolz?
Ich bin stolz darauf, dass ich dieses Interview führen kann, dass ich Deutsch sprechen kann. Es kann sein, dass es mit der Grammatik nicht alles richtig ist. Aber ich verstehe alles und Sie verstehen mich. Das ist super, darauf bin ich am meisten stolz. Und ich habe jetzt eine Chance, eine Stelle in Deutschland zu finden.
Gab es etwas, das Sie sich vor drei Jahren noch nicht zugetraut hätten und jetzt haben Sie es doch geschafft?
Wenn ich eine gute Stelle finden würde, wäre ich super froh. Das wäre für mich mein Haupttraum. Ich gehe meinen Weg Schritt für Schritt, das war mein Plan. Ich kannte meinen Weg und den habe ich Schritt für Schritt verfolgt.
Was würden Sie Menschen raten, die nach Deutschland kommen und sich unsicher sind, ob sie eine Weiterbildung machen sollen, welchen Weg sie gehen sollen?
Ich würde sagen, in der heutigen Welt muss man sich immer weiterentwickeln. Wir können nicht etwas lernen und das unser ganzes Leben lang ausüben. Einige Berufe kommen neu hinzu, andere fallen weg oder sterben aus. Jeder Mensch muss sich weiterentwickeln. Er muss keine Angst haben, das ist normal.
Welche drei Wörter fallen Ihnen ein, wenn Sie an das IBB denken?
Wenn ich ans IBB denke, denke ich an Erfolg, Chance und Bildung.
Vielen Dank für das Interview!