Job 2.0 – Wie sinnvoll ist eine Umschulung?

Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, beruflich noch mal ganz neu anzufangen? Also nicht nur die Stelle zu wechseln, sondern in einem neuen Beruf und einer ganz anderen Branche durchzustarten?

In unseren Umschulungen dürfen wir immer wieder Menschen auf diesem spannenden Weg des Neuanfangs begleiten: Etwa die alleinerziehende Mutter ohne Berufsabschluss, die durch die zweijährige Ausbildung endlich eine feste Anstellung fand, mit der sie sich und ihren Kindern einen besseren Lebensstil ermöglichen kann. Oder der 50-Jährige, der seinen langjährigen Job durch eine Insolvenz verloren hatte und seine Umschulung schließlich mit einer glatten 1 im Zeugnis und einem Arbeitsvertrag in der Tasche beendete.

Solche Erfolgsgeschichten machen Mut. Aber wie könnt ihr herausfinden, ob eine Umschulung auch für euch genau der richtige Schritt ist, der alles zum Besseren wendet?

Meine Kollegin Sabine Linscheid hat als Umschulungskoordinatorin für das IBB in Hannover schon sehr viele Menschen beraten, die vor genau dieser Entscheidung standen. Sie hat ein paar Tipps, welche Fragen ihr euch stellen solltet und wo ihr hilfreiche Informationen finden könnt.

Frau Linscheid, in welcher Situation ist es Ihrer Ansicht nach sinnvoll, über eine Umschulung nachzudenken?
Ich empfehle diesen Weg beispielsweise Menschen mit Berufserfahrung, die länger ausgesetzt haben, weil sie sich vielleicht um ihre Familie gekümmert haben oder gesundheitliche Probleme hatten. Die Arbeitswelt ist heutzutage extrem schnelllebig, nach drei bis sieben Jahren Pause im Job gilt man schon wieder als ungelernt. Durch eine Umschulung kann man sich frisches, gefragtes Wissen aneignen und sich auch erst mal wieder an den Rhythmus der Arbeitswelt gewöhnen.
Auch wenn man seinen ursprünglichen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann, ist eine Umschulung oft der richtige Weg. Friseure zum Beispiel, die eine Allergie auf Haarfärbemittel entwickelt haben, können sich auf diese Weise neu orientieren.

Lohnt es sich auch, noch mit 50 Jahren oder älter eine Umschulung zu machen?
Na klar! Der Bedarf an Fachkräften in Deutschland ist nach wie vor hoch, und in vielen Firmen sind ältere Neueinsteiger mit frisch abgeschlossener Ausbildung durchaus willkommen. Schließlich bringen sie wertvolle Lebenserfahrung mit. Vor Kurzem hat bei uns beispielsweise ein 50-Jähriger die Umschulung zum Industriekaufmann abgeschlossen. Er musste sich neu orientieren, da seine alte Firma insolvent war. Die Prüfung hat er mit 1 bestanden, und direkt im Anschluss bekam er einen Job in dem Betrieb, in dem er auch sein Umschulungs-Praktikum absolviert hatte.

Wie unterscheidet sich denn eine Umschulung von einer normalen Ausbildung?
Azubis lernen in der Regel drei Jahre, bevor sie ihren Abschluss machen. Bei einer Umschulung tritt man hingegen schon nach zwei Jahren zur gleichen IHK-Prüfung an. Umschüler verfügen ja meistens schon über Berufserfahrung und können auf diesem Wissen aufbauen.
Wenn man seine Umschulung in einem Betrieb macht, überspringt man das erste Lehrjahr und muss sich diesen Stoff selbst aneignen. Bei einer außerbetrieblichen Umschulung, wie sie beispielsweise von uns angeboten wird, werden alle Inhalte der normalen Ausbildung vermittelt – allerdings eben in komprimierter Form, damit man nach zwei Jahren damit durch ist. Das Wissen, das man im Umschulungs-Unterricht vermittelt bekommt, vertieft man dann durch ein mehrmonatiges Praktikum in einem Unternehmen.

Klingt nach einer intensiven Zeit.
Ja, das ist es auch. Um eine Umschulung durchzuziehen, braucht man ein hohes Maß an Eigenmotivation. Man muss sich häufig auch abends noch mal hinsetzen und Ausbildungswissen büffeln. Daher ist es auch besonders wichtig, dass die Familie die Entscheidung für die Umschulung mitträgt und den Umschüler auf diesem Weg unterstützt.

Kostet so eine Umschulung eigentlich etwas?
Das kommt darauf an: Als Umschüler in einem Betrieb hat man selbst keine Kosten und erhält ein normales Azubi-Gehalt. Bei einer außerbetrieblichen Umschulung fallen Kosten an, aber es gibt hier verschiedene Fördermöglichkeiten. Die Agentur für Arbeit kann beispielsweise unter bestimmten Voraussetzungen einen Bildungsgutschein für eine Umschulung ausstellen.

Eine Frau sieht fragend nach oben, neben ihr sind Fragezeichen und über ihr ist eine Glühbirne.
Ist eine Umschulung das Richtige für mich? Und wenn ja, welche? Die Antworten wollen gut überlegt sein – professionelle Berater können dabei helfen.

Wie findet man denn genau den richtigen Umschulungsberuf für sich?
Man sollte sich möglichst genau über die Berufe informieren, die man ins Auge fasst. Die Agentur für Arbeit bietet zum Beispiel auf den Internetseiten berufenet.arbeitsagentur.de und ben.arbeitsagentur.de umfassende Datenbanken mit Berufsprofilen an. Und auch beim Bundesinstitut für Berufsbildung auf bibb.de findet man unter „Themen“ Informationen über Ausbildungsberufe.
Wichtig ist, dass man außerdem bei der Wahl des Umschulungsberufs ganz genau in sich hineinhört: Welche Art von Arbeit kann ich seelisch und körperlich leisten? Halte ich ein stressiges Arbeitsumfeld aus? Macht mein Rücken einen Schreibtischjob mit?
Wer eine außerbetriebliche Umschulung machen möchte, kann auch einen kostenlosen Beratungstermin bei einem Weiterbildungsanbieter wie dem IBB wahrnehmen. Hier werden nicht nur die persönlichen Voraussetzungen des Interessenten berücksichtigt, sondern die Berater kennen auch die Situation auf dem regionalen Arbeitsmarkt sehr genau und können somit einschätzen, mit welchem Abschluss man seine Jobaussichten wirklich verbessert.

Vielen Dank für die wertvollen Hinweise, Frau Linscheid!

Maria da Silva

Maria mischt beim IBB-Marketing in den Bereichen Pressearbeit, Social Media und Online-Marketing mit. Neben Texten in allen möglichen Formen ist die Kommunikation mit verschiedenen Bereichen im IBB und außerhalb des Unternehmens ein wichtiger Bestandteil ihrer täglichen Arbeit. Auf „Ich & mein Job“ schreibt sie gerne über Menschen, die sie besonders inspirieren.

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