Neuanfang mit 50 oder warum gute Geschichten mit Mut beginnen

Jede gute Geschichte beginnt mit Mut – dem Mut, etwas Neues zu wagen oder eine Angst zu überwinden. Bei Anette v. D. war es beides. Sie wagte einen Schritt, vor dem sich viele scheuen: Mit fast 50 Jahren fing sie beruflich noch mal von vorn an. Mit dem Ende des Baubooms am Ausgang der 1990er Jahre stand die Mutter eines Sohnes wie viele Menschen vor der Frage, wie es weitergehen soll. Nach einer Zwischenetappe als Bürokauffrau in einem Bauunternehmen arbeitete Anette v. D. zehn Jahre lang in einem Callcenter und für kurze Zeit als Einzelfallhelferin an verschiedenen Schulen in der Region. Für sie stand von vornherein fest, dass sie nicht bis zur Rente so weitermachen wollte, wusste aber nicht, wohin die Reise gehen sollte. Erst ein Gespräch mit ihrer Arbeitsberaterin öffnete ihr die Augen. Warum sollte sie nicht mit fast 50 noch einen neuen Beruf erlernen? Schließlich lägen noch mindestens 17 Jahre Berufsleben vor ihr, so die Arbeitsberaterin damals.

Zwischen Angst und Hoffnung

Anfangs war Anette v. D. skeptisch: „Natürlich hatte ich Angst, dass ich zwischen jungen Hüpfern sitze und lerne.“ Anette v. D. lacht über ihre damaligen Ängste. Sie sprang über ihren Schatten und entschloss sich für eine Umschulung zur Industriekauffrau. Bereut hat sie diese Entscheidung bis heute nicht.

Die Weiterbildung suchte sie sich selbst über das Kursportal der Agentur für Arbeit und entschied sich für eine Weiterbildung beim IBB Institut für Berufliche Bildung. „Für mich war die zentrale Lage des Schulungsorts ideal. Direkt am Bahnhof gelegen, konnte ich problemlos mit den öffentlichen Verkehrsmitteln die Schulungsräume erreichen. Den letzten Ausschlag für meine Entscheidung gab aber der Online-Unterricht, den das IBB schon vor der Corona-Pandemie anbot“, so Anette v. D. Eine gute Entscheidung, wie sich ein halbes Jahr später herausstellte. Mit den Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie fielen bei zahlreichen Weiterbildungsanbietern die Schulungen aus. Anette v. D. war nicht davon betroffen. „Durch den Online-Unterricht fiel keine einzige Schulstunde aus“, so die Cottbuserin.

Von der Schulbank ins Büro

Zwei Jahre lang drückte die 50-Jährige die Schulbank. „Ich hatte keine Probleme mit dem Onlinelernen, da ich schon immer in meiner Freizeit gelernt habe – mal eine Fremdsprache, dann wieder etwas anderes, was mich interessierte. Das hat mir geholfen. Dazu kam, dass mir Referate, die ich halten musste, viel leichter fielen, da meine Mitschüler nur meinen Avatar sahen und nicht mich. Das hat mir viele Hemmungen genommen.“ Die Erleichterung ist noch immer aus Anettes v. D. Stimme zu hören.

Über das Praktikum im Rahmen der Umschulung lernte sie ihren neuen Arbeitgeber kennen. „Zuerst habe ich befürchtet, dass mich aufgrund meines Alters kein Betrieb nehmen würde. Gott sei Dank war das nicht so und ich hatte auch noch Glück. Der Betrieb wollte mich übernehmen, sodass ich bereits einen Monat vor dem offiziellen Ende der Umschulung meine neue Stelle antrat.“ Die Prüfung zur Industriekauffrau legte sie einen Monat später vor der IHK als Jahrgangsbeste ab. Heute arbeitet Anette v. D. in der Nähe ihrer Heimat in einem Maschinenbauunternehmen als Industriekauffrau.

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