Sabbatical: Eine gesunde Auszeit von der Arbeit

Da ist er wieder, der Montag. Das Wochenende war leider wie immer zu kurz und du konntest nicht alles machen, was du dir vorgenommen hattest. Der Wecker klingelt und du bist wieder im Alltagstrott gefangen. Während all der Jahre Vollzeitarbeit sind leider viele persönliche Träume und auch so manche Beziehungen auf der Strecke geblieben. Sie verlangen nach deiner Zeit, aber du hast keine. Was kannst du machen?

Hattest du auch schon mit solchen Gedanken zu kämpfen? Und vor allem mit dem Wünsch nach Freiheit und gleichzeitig der Angst vor Arbeitsverlust? Ist das überhaupt möglich, sich eine lange Auszeit zu nehmen, ohne den Job zu verlieren? Das Wort Sabbatical ist deine Lösung.

So funktioniert ein Sabbatical bzw. Sabbatjahr

Das Sabbatical bzw. Sabbatjahr ist eine besondere Pause von der Arbeit, die ein paar Monate bis ein Jahr dauern kann. Wenn die mit dem Unternehmen vereinbarte Auszeit endet, erhält der Mitarbeiter wieder seinen alten Arbeitsplatz.

Der Begriff stammt aus dem jüdischen Glauben und bezieht sich auf ein Gebot aus der Tora. Alle sieben Jahre sollen Felder, Äcker und Weinberge in Ruhe gelassen und nicht bearbeitet werden, damit die Erde sich erholen kann. Das siebte Jahr wird also Sabbat genannt.

Und was macht man da so …?

Im übertragen Sinne: Wer sich für ein Sabbatjahr entscheidet, nimmt sich also Zeit für sich, um Energie zurückzugewinnen. Die Gründe für ein Sabbatical können sehr verschieden sein, weil Menschen unterschiedliche Prioritäten im Leben setzen. Viele beschließen, sich eine befristete Pause vom Beruf zu nehmen, weil sie mehr Zeit in die Familie, in ihre persönliche Verwirklichung, in Weltreisen oder in ihre Weiterbildung investieren möchten.

Als ich mein Jahr als Europäische Freiwillige in Deutschland geplant hatte, war ich mir sicher, dass mein Unternehmen meine einjährige unbezahlte Auszeit genehmigt hätte. Nach dem Abitur bin ich sofort in das Berufsleben eingestiegen und habe fünf Jahre lang Vollzeit gearbeitet, ohne wirklich zu hinterfragen, was ich von meinem Leben wollte. Im Laufe der Zeit wurde aber das Bedürfnis, mich intensiv mit mir selbst und meiner persönlichen Entwicklung zu beschäftigen, so stark, dass ich mit meinem Chef über die Möglichkeit eines Sabbaticals geredet habe.

Am Ende habe ich zwar doch kompklett gekündigt und diese Entscheidung nie bereut. Aber wenn ich anfangs nicht von der Möglichkeit eines Sabbaticals gehört hätte, hätte ich diese wichtige Lebensentscheidung wahrscheinlich nicht getroffen oder ich hätte meine Träume noch ein bisschen verschoben.

Ein Reisender mit Sonnenbrille und zwei großen Rucksäcken steht voller Vorfreude am Flughafen.
Ich bin dann mal weg: Ein Sabbatical ermöglicht eine lange Reise um die Welt – oder die Erfüllung vieler anderer Träume.

Verschiedene Sabbatical-Modelle

In einigen europäischen Ländern haben die Mitarbeiter einen gesetzlichen Anspruch auf das Sabbatical. In Deutschland und in Italien ist das leider nicht der Fall, obwohl es grundsätzlich möglich wäre, in Absprache mit dem Unternehmen ein Sabbatical einzulegen. Für Beamte, Lehrer und Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst gibt es hingegen spezielle Gesetze, die eine Auszeit sogar auch für mehrere Jahre regeln.

Aber wie können Mitarbeiter in freier Wirtschaft überhaupt ein Sabbatical in Deutschland beantragen?
Das 1998 verabschiedete Gesetz zur sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen und das folgende Gesetz zur Teilzeitarbeit und befristeten Arbeit des Jahres 2001 erleichtern mittels Arbeitszeitkonten einen vorläufigen Arbeitsausstieg sowie eine flexiblere Arbeitszeit.

Anhand dieser Gesetze könnte der Mitarbeiter verschiedene Sabbatical-Modelle einlegen, die das Unternehmen genehmigen könnte. Das ist allerding kein Muss.

Hier eine kurze Zusammenfassung der bekanntesten Sabbatical-Modelle:

Teilzeitmodell
  • Der Mitarbeiter wechselt vor der beruflichen Auszeit auf einen Teilzeitjob mit entsprechendem Gehalt, aber arbeitet weiterhin Vollzeit. Er bekommt den zweiten Teil seines Gehalts während des Sabbaticals.
  • Das Modell ist nur möglich, wenn das Unternehmen über mehr als 15 Beschäftigte verfügt.
Lohnverzicht bzw. reduzierter Lohn
  • Der Mitarbeiter verzichtet für fünf oder sechs Jahre auf ein Siebtel seines Gehalts und bekommt das angesparte Siebtel während des Sabbaticals.
  • Der Mitarbeiter bleibt weiterhin sozialversichert.
Arbeitszeitguthaben
  • Dieses Modell ist sehr verbreitet, obwohl es nur für kürzere Auszeiten geeignet ist.
  • Der Mitarbeiter verfügt über ein Arbeitszeitkonto, auf der alle seine Überstunden der letzten Jahre angesammelt werden. Er kann sie für einen bestimmten Zeitraum abfeiern.
Zeitwertguthaben
  • Der Beschäftigte besitzt ein Lebensarbeitskonto, auf der nicht nur Überstunden angesammelt werden, sondern auch Urlaubstage und Weihnachtsgeld. Er kann das angesparte Geld und die Überstunden mit Freizeit ausgleichen lassen.
Unbezahltes Sabbatical
  • Der Beschäftigte wird von der Arbeit freigestellt, aber bekommt während der Auszeit auch kein Geld und muss selbst die Beiträge für Kranken-, Sozial-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung zahlen.

 

Sabbatical einlegen: Schwierig, aber nicht unmöglich

Egal, welche Möglichkeit man in Betracht zieht: Ein Sabbatical mit dem Unternehmen zu planen, ist auf jeden Fall schwierig, aber nicht unmöglich. Ich kann mir auch vorstellen, dass kleine Unternehmen nicht genug Ressourcen haben, den Ausfall für lange Zeit zu überbrücken. Wenn du aber das Gefühl hast, dass du ein Sabbatjahr für deine Lebensqualität brauchst, solltest du probieren, das passende Modell für dich und dein Unternehmen zusammen mit der Personalabteilung zu finden.

Viel Glück!

Annalisa Perone

Annalisa Perone

Zwei Länder und ein Herz – Annalisa ist unsere italienische Werkstudentin beim IBB. Sie wohnt schon seit sechs Jahren in Deutschland, wo sie auch ihren Bachelor im Bereich Sprachwissenschaft absolviert hat. Fremdsprachen, Kulturen und Weltentdeckung waren schon immer ihre Lieblingswörter. Sie studiert jetzt „Informationsdesign und Medienmanagement“ im Master. Annalisa freut sich schon auf die nächsten Etappen ihres Lebens!

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