„Kann ich, kann ich nicht … …“ – Vom Umgang mit Stärken und Schwächen

Keiner kann alles – aber niemand kann nichts!

Diese Aussage ist uralt, hat aber nichts von ihrer Richtigkeit eingebüßt. Dir deiner Stärken und Schwächen bewusst zu sein, hilft dir, genauer zu erkennen, welche Bereiche deine „Schokoladenseiten“ sind und welche nicht.

Gerade im Rahmen der Jobsuche ist es wichtig, sich damit zu beschäftigen, denn die Frage des Personalers nach den Stärken und Schwächen ist ein Klassiker. Und dein neuer Chef kann von dir mit Recht erwarten, dass du reflektiert bist und bei dir auch Schwächen identifizierst. Punkten kannst du, wenn du Wege findest, wie du diese Schwächen reduzierst oder abstellst.

Aber es gibt Ratgeber, die noch einen Schritt weitergehen. Laut dieser „Experten“ sollst du dich so intensiv mit deinen Schwächen beschäftigen und diese „ausbügeln“, dass am Ende nur noch Stärken dastehen.

Ich halte diesen Ratschlag für ziemlich daneben und plädiere stattdessen für etwas anderes:

Stärke deine Stärken! Denn deine Arbeits- und Lebenszeit ist zu kurz, um mit mühseliger, harter Arbeit aus deinen Schwächen im Idealfall nur durchschnittliche Stärken zu machen.

Warum?

  • Der Zeit- und Energieaufwand für die konsequente Beseitigung von Defiziten ist unverhältnismäßig hoch, unter Umständen sogar völlig wirkungslos.
  • Die gleichen persönlichen Ressourcen entfalten auf den Ausbau oder die Verfeinerung vorhandener Stärken gerichtet eine viel größere und nachhaltigere Wirkung.
  • Statt Schwachpunkte mit zusammengebissenen Zähnen zu bekämpfen, stellen sich Fortschritte beim Ausbau von Stärken noch dazu mit Leichtigkeit und Freude ein.

Konzentriere dich also lieber auf deine Schokoladenseite! Denn was wir gut können, geht uns leicht von der Hand – wir erledigen unsere Aufgaben beschwingter und mit besserer Laune. Wir bekommen positives Feedback und Anerkennung. Das sind wichtige Faktoren für psychische Stabilität und beruflichen Erfolg basierend auf persönlichen Stärken.

Apropos: Spielst du schon deine Stärken aus? Ein paar einfache Fragen helfen dir bei der Klärung:

Mache ich aktuell im Berufsalltag überwiegend das, was …

… mir leicht fällt?
… mir Spaß und Freude macht?
… ich am besten kann?
… von anderen mit Lob und Anerkennung gewürdigt wird?
… mir Erfüllung schenkt?
… ich sinnvoll finde?

Falls du überwiegend mit Ja geantwortet hast, dann scheinst du in einem Job zu arbeiten, der zu dir passt und in dem du deine Stärken ausleben kannst. Falls du überwiegend mit Nein geantwortet hast, solltest du nicht zögern zu handeln. In beiden Fällen lies jetzt bitte weiter … 🙂

Ein Mann fasst sich nachdenklich ans Kinn und schaut fragend zur Seite.
Hmm, was sind eigentlich meine Stärken und Schwächen? – Folgende Tipps helfen bei der Identifikation.

So identifizierst du deine Stärken und Schwächen

Bei der Entdeckung deiner Stärken und Schwächen gibt es viele Möglichkeiten, sowohl mit Fremd- als auch Selbstwahrnehmung:

  • Als erster Schritt ist eine Identifizierung der Arbeitspersönlichkeit sehr hilfreich. Es gibt zahlreiche Methoden dafür (z. B. DISG, Enneagramm, Big Five etc.). Für den Einstieg in die Thematik habe ich zwei Empfehlungen, die sich gut miteinander kombinieren lassen: Der Typentest XL und Svenja Hoferts spannende Eigenentwicklung, den persönlichen Work-Life-Style – beides übrigens kostenlose Angebote. Beide geben eine erste hilfreiche Tendenz, wo eigentlich meine persönlichen Stärken liegen und bei welchen Arbeitgebern ich diese am besten einbringen kann. Zwei kräftige Tools, auch für wechselwillige Arbeitnehmer …
  • Analysiere mit Hilfe eines Blicks auf deinen Arbeitsalltag deine Stärken. Als Hilfe können dir drei einfache Fragen dienen:
  1. In welchen Aufgaben finde ich totale Erfüllung?
  2. In welchen Bereichen habe ich mir in kurzer Zeit viel Wissen und hohe Kompetenz angeeignet?
  3. Wo habe ich ungeahnt herausragende Leistungen erbracht?
  • Bilde dich weiter! Viele entdecken im Rahmen einer Fortbildung oder eines Seminars ihren Herzschlag für ein bestimmtes Thema oder einen Arbeitsbereich. Da, wo du Freude an einer herausfordernden Aufgabe findest oder rasant an Wissen zulegst, kommst du neuen Stärken auf die Spur.
  • Zeig im Ehrenamt, was in dir steckt! Bau deine Stärken außerberuflich aus, zum Beispiel indem du die Organisation der Weihnachtsfeier in die Hand nimmst oder für die Leitung der Jugendabteilung verantwortlich wirst. Die daraus resultierenden Stärken (z. B. Organisationsvermögen, Verantwortungsbewusstsein, Kommunikationsfähigkeit) wirst du auch im Berufsalltag einbringen können. Außerdem leistest du einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft, tust anderen etwas Gutes und bekommst unmittelbares Feedback.
  • Vereinbare ein Probearbeiten! Der Unterstützung deiner Integrationsfachkraft beim JobCenter oder der Agentur für Arbeit darfst du dir gewiss sein. Vor allem aber machst du im Rahmen eines Probearbeitens einen potentiellen Arbeitgeber auf dich aufmerksam, indem du mit deinen Stärken und Fähigkeiten deine Kompetenz unterstreichst – nicht selten mündet so ein Probearbeiten in einem Arbeitsvertrag.
  • Hol dir Rückmeldungen ein! So manches Mal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Dann ist es gut, wenn du dir Feedback einholst, zum Beispiel von deinen Freunden oder aus deiner Familie. Frag gezielt: „Wo siehst du meine Stärken?“, „In welchen Bereichen erscheine ich dir besonders kompetent?“, „Wo können andere von mir lernen?“

Dank Valentina Levant bin ich auf ein wunderbares Video von Eckhardt von Hirschhausen aufmerksam geworden, der das Ganze als “Pinguin-Prinzip” zusammenfasst:

 

Wie bist du deinen Kompetenzen und Stärken auf die Spur gekommen? Wie hast du deine Fähigkeiten ausgebaut? Lass es uns durch einen Kommentar wissen!

Gerne beraten wir dich auch in einem persönlichen und ausführlichen Gespräch über unsere knapp 900 Bildungsangebote – ruf uns an unter 040 637 953 1000, besuche uns unter www.ibb.com oder komm zu einem unserer bundesweiten Standorte!

Gerjet Kleine-Weischede

Gerjet Kleine-Weischede ist Jobcoach des IBB in Wilhelmshaven. Dort unterstützt er Umschüler und Teilnehmer von Weiterbildungen, erfolgreich in Arbeit zu kommen. Er ist immer auf der Suche nach ungewöhnlichen und frischen Bewerbungsideen; dafür ist er auch viel im Netz unterwegs, twittert (@chancenmacher) und bloggt unter www.chancenmacher.de.

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