Mut zur Lücke? Tipps zum Umgang mit „Leerlauf“ im Lebenslauf

Im Lebenslauf, das ist bekannt, listet man seine beruflichen Stationen auf. Aber besteht das Leben denn nur aus Arbeit? Meistens nicht. Dadurch kann es zu „Lücken im Lebenslauf“ kommen. Wobei diese weit verbreitete Formulierung ein bisschen kurios anmutet, so als hätte man zwischendurch nicht gelebt. Dabei war man vielleicht nur längere Zeit arbeitslos, krank oder auf einer langen Reise, hat Angehörige gepflegt, Kinder betreut oder andere Dinge gemacht, die als „Lücke“ empfunden werden. Und das nur, weil sie auf den ersten Blick nicht richtig in das starre Schema des reinen beruflichen Werdegangs passen.

Wie „füllt“ man nun am besten diese Lücken im Lebenslauf? Welche Phasen stellt man wie dar? Hays-Recruiting-Expertin Katharina Hain, die uns bereits auch als Gastbloggerin unterstützt hat, hat im Magazin HAYSWORLD ein spannendes Interview zum Thema gegeben, das wir hier unbedingt mit euch teilen möchten. Am Ende erfahrt ihr auch, wie ihr aus vermeintlichen „Lücken“ sogar positive Aspekte für die direkte berufliche Bezugnahme gewinnen und nutzen könnt.

Viel Spaß beim Lesen und Lernen!

Katharina Hain, Recruiting-Expertin bei der Hays AG
Frau Hain, welcher Zeitraum gilt im Lebenslauf als Lücke?

Lücken von zwei bis drei Monaten sind völlig normal und müssen in der Regel nicht erklärt werden. Denn die Zeit zwischen zwei Beschäftigungen – seien dies Ausbildungen, Praktika, selbstständige Projektarbeit, Fortbildungen, Umschulungen oder Anstellungsverhältnisse – schließt bei vielen Bewerberinnen und Bewerbern nicht nahtlos aneinander an.

Wie sollte man mit längeren Pausen ab drei Monaten umgehen?

Lücken von drei Monaten und mehr sollten auf jeden Fall im Lebenslauf erklärt werden. Unerklärte längere Lücken machen Personalverantwortliche häufig misstrauisch und geraten so zum Nachteil.

Wie kann eine längere Phase der Arbeitslosigkeit dargestellt werden?

Arbeitslosigkeit am besten nicht vertuschen, sondern als „aktiv arbeitsuchend“ oder „berufliche Neu- bzw. Umorientierung“ beschreiben. Letzteres nur dann, wenn tatsächlich eine Neuausrichtung des beruflichen Schwerpunktes stattfindet. Wenn Fort- bzw. Weiterbildungs- oder Umschulungsmaßnahmen dazu kommen, wirft dies ein positives Licht auf die Lücke, weil neue berufliche Perspektiven aktiv eingenommen werden.

Müssen Jobwechsel begründet werden?

Berufliche Wechsel sind normal im heutigen Arbeitsleben. Die Zeiten, als man im selben Job 30 und mehr Jahre lang tätig war, gehören meist der Vergangenheit an. Häufige, eng aufeinanderfolgende Wechsel der Arbeitsverhältnisse sollte man jedoch nicht unkommentiert lassen. Berufliche Weiterentwicklung, Interesse für einen neuen Tätigkeitsbereich oder ein Umzug, auch die Insolvenz des Arbeitgebers sind hier mögliche Erklärungen.

Sollten Ausfallzeiten wegen Krankheit erklärt werden?

Lücken wegen Krankheit und die persönlichen Gründe dahinter gehören zur Privatsphäre und müssen natürlich nicht in der Breite thematisiert werden. „Auszeit aus privaten Gründen“ oder „Auszeit aus gesundheitlichen Gründen (vollständige Arbeitsfähigkeit wiederhergestellt)“ reicht hier aus. Auf etwaige Nachfrage im Bewerbungsgespräch empfiehlt es sich, über die Zukunft zu sprechen: Die „Leidenszeit“ ist überstanden, jetzt geht es besser und die neue berufliche Herausforderung wird körperlich und mental gut gerüstet angegangen.

Wie können längere Auszeiten wie zum Beispiel Work & Travel-Aufenthalte oder ein Sabbatical dargestellt werden?

Die Erfahrungen eines längeren Aufenthalts im Ausland oder einer Auszeit vermitteln neue Eindrücke und erschließen und fördern Fähigkeiten. Wenn allerdings mehr als zwei davon in einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren aufeinanderfolgen, wird sich der Arbeitgeber nach der Zuverlässigkeit fragen. Deshalb auch hier am besten die Motivation und Entwicklung begründen.

Sollten Zeiten der Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen erwähnt werden?

Kinderbetreuungs- und Pflegezeiten gehören als wichtige und prägende Aufgaben im persönlichen Leben in den Lebenslauf. Entweder als „Elternzeit/Erziehungszeit“ oder ebenfalls als „Auszeit aus persönlichen Gründen“. Oder eben offen als „Pflege einer/s Familienangehörigen“. Im Bewerbungsgespräch sollte dann vermittelt werden, dass die Betreuung oder Pflegezeit abgeschlossen ist bzw. anderweitig organisiert wird – und ausreichend Zeit ist, um die neue berufliche Aufgabe anzugehen.

Wie gehen Robo-Recruiter, das heißt Systeme, die bei der Durchsicht von Lebensläufen eingesetzt werden, mit Lücken im Lebenslauf um?

Viele dieser Systeme ordnen eine Lücke als Station im Lebenslauf ein, die nicht als berufliche Erfahrung eingestuft wird.

Das Fazit von Recruiting-Expertin Katharina Hain:

Im Lebenslauf und Bewerbungsgespräch so authentisch wie möglich bleiben, Offenheit zahlt sich nach meiner Erfahrung aus.
Lücken und Brüche im Lebenslauf sind auch eine Chance – für die eigene persönliche Weiterentwicklung und für den Arbeitgeber, dem dies zugutekommen kann. Denn gerade in diesen Lebensphasen werden häufig soziale und persönliche Kompetenzen, die sogenannten Soft Skills gestärkt, die im beruflichen Umfeld eine immer größere Rolle spielen.

Wenn Ihre Lücke im Lebenslauf der Aufhänger für eine gute Geschichte, ein persönliches Storytelling ist, dann erzählen Sie sie – das passt auch gleich schon ins Anschreiben. Beispiele aus der Praxis für die berufliche Neuorientierung sind die Umschulung vom Beruf in der Bankberatung zur Pflegekraft nach der Betreuung eines kranken Familienmitgliedes oder die Umschulung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher nach Elternzeit. Oder nach ehrenamtlicher Tätigkeit im Verein die Fortbildung im Buchhaltungswesen.

Thomas Horn

Alles rund um das geschriebene Wort – das ist Thomas' berufliches Metier beim Institut für Berufliche Bildung (IBB). Die Aufgaben reichen von der Produkt- und Online-Kommunikation bis zur Unterstützung im Bereich Presse/PR. Thomas erstellt außerdem Broschüren, Flyer, andere Printmaterialien und was sonst alles noch anfällt.

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