Recrutainment – spielerisch die richtige Wahl treffen

Zugegeben, Bewerbungsgespräche können ganz schön öde sein. Und das für beide Seiten. Der Bewerber weiß nicht genau, was ihn erwartet, und der Interviewer kann sich vor lauter Kandidaten niemanden mehr merken. Der Einsatz von Recrutainment kann hier einige Hilfe leisten!

Ich muss zugeben, dass dieser Beitrag mich einige Zeit gekostet hat. Das Thema Recrutainment finde ich super spannend, doch anscheinend gehöre ich zu der Minderheit. Denn Bewerbungsprozesse scheinen immer noch ziemlich starr und konservativ abzulaufen. Für dich als Kandidat/in bedeutet das weniger Stress – alles wie gehabt: Bewerbung verschicken, auf einen Anruf warten und sich in einem gemütlichen Gespräch von der besten Seite vorstellen. Für die Firmen heißt es, weiterhin Mappen oder E-Mails zu sortieren, sich Tage im Kalender freizuhalten und mit vielen fremden Menschen Gespräche zu führen. Langweilig. Eintönig. Einseitig. Wie hoch ist dabei die Fehlerquote?

Was ist Recrutainment?

Recruiting + Entertainment (Personalbeschaffung + Unterhaltung). Es ist eine Mischung spielerischer Elemente, die das Zusammenfinden von passenden Arbeitnehmern und Arbeitgebern erleichtern. Umgangssprachlich würde ich es einfach „Matchen“ nennen. Jeder, der sich schon mal auf Kennenlern-Apps umgeschaut hat, kennt den Begriff.

„To match – verb., engl. Zusammenpassen“

Wie matcht man am besten?

Natürlich wenn die meisten Interessen von beiden Seiten übereinstimmen. Nur ist es ziemlich schwer, so etwas in einem 60-minütigen (wenn überhaupt …) Vorstellungsgespräch herauszufinden.

Assessment Center bei konkreten Ausschreibungen

Viele von euch haben bestimmt Erfahrung mit Assessment Centern gemacht. Das ist eine der weit verbreiteten Methoden der Selektierung, aber ich bin mir nicht sicher, inwieweit man sie mit Entertainment (Spaß) verbindet. Diese Methode kann man allerdings zweifellos zum Recrutainment zählen. Denn sie stellt eine Simulation, also eine gespielte Situation, dar. Man tritt in eine vorgegebene Unternehmenswelt ein und wird gebeten, diverse Aufgaben zu lösen. Doch wo ist der Spaß? Und warum muss es eigentlich Spaß machen? Ganz einfach: Man ist viel produktiver, wenn die Arbeit mit positiven Gefühlen verbunden ist.

Recrutainment als Employer Branding

Für die Arbeitgeber ist das Recrutainment ganz klar die beste Möglichkeit, sich von der sonnigen Seite zu zeigen. Daher werden die spielerischen Elemente bei der Personalbeschaffung oft im Sinne des Employer Branding verwendet. Ein Beispiel davon gibt ein Online-Reiseportal, das auf seiner Bewerbungsplattform Spiel-Elemente eingebaut hat. Wenn man sich für eine Stelle interessiert, sieht man auf einem lustigen Zähler, wie viel Prozent der angefragten Informationen bereits eingetragen wurden, dann wird man nach dem idealen Job ausgefragt und am Ende darf man seine eigene Geschichte mit einem Video erzählen. Das alles gibt nicht nur dem Unternehmen gute Chancen, dich kennenzulernen. Auch du kannst schon vor dem eigentlichen Vorstellungsgespräch selbst reflektieren, ob das Unternehmen zu dir passt. Das ist in meinen Augen das Ziel des Recrutainments – die Auswahl auf beiden Seiten zu präzisieren und dabei auch noch positive Eindrücke zu sammeln.

Zwei Männchen, weiß und grün, treffen sich in der Mitte eines Weges aus Puzzlestücken und geben sich die Hand.
Bewerber und Arbeitgeber sollten zusammenpassen wie zwei Puzzlestücke.
Allgemeine Assessments

Neben den spezifischen, auf die konkrete Stelle ausgerichteten Prozesse, gibt es auch allgemeine Assessments. Diese unterstützen bei der Berufswahl oder Neuorientierung. Eines der kreativen Assessments, bei dem ich selbst mitmachen durfte, war zum Beispiel der Führungskompetenz gewidmet. Dabei mussten meine Kollegen und ich ein Haus aus Papier, Stiften, Radiergummis und anderen interessanten Materialien bauen, die wir vorher noch mit uns zur Verfügung gestelltem Budget „erwerben“ mussten. Während vier von uns die architektonische Superleistung erbrachten, wurden wir beobachtet und unsere Teamkompetenzen analysiert. Dabei wird niemand als gut oder schlecht beurteilt. Die Beobachtung hilft dem Arbeitgeber aber definitiv dabei, die Stärken jedes Einzelnen besser zuzuordnen.

Recruitainment über Job-Suchplattformen

Neben dem eigentlichen Einstellungsprozedere erkenne ich die Recrutainment-Elemente auch in der Vorauswahlphase. In den letzten zwei bis drei Jahren sind viele Job-Suchplattformen und Apps entstanden. Jobify, Harpoon, Jobunicorn, Alphahump, Truffls und andere Matching-Seiten versprechen, mit ihren Algorithmen den passenden Job herauszufiltern. Die Funktionsweise ist bei allen ziemlich ähnlich und – was mir am Meisten gefällt – sieht dich als Kandidaten als Spielführer. Fast alle haben eine mobile App-Version. Das entspannt die Jobsuche ungemein. Nachdem du dein Profil angelegt hast, kannst du nach Angeboten surfen, und wenn dich eins anspricht – swipst du nach rechts (oder links, je nachdem wie die App ausgelegt ist). Dasselbe macht seinerseits auch der Arbeitgeber. Nur dass er nicht sieht, wem seine Angebote gefallen, bis die Person sie auch geliket hat. Match!

Was nach Spiel aussieht und sich manchmal auch so anfüllt, ist ernst gemeint. Meines Erachtens ist es sehr wichtig, die Chemie zwischen dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer früh genug zu erkennen. In einer entspannten Umgebung gelingt es bestimmt einfacher.

Hast du schon mal spielerische Elemente in einem Bewerbungsprozess erlebt oder vielleicht selbst gestaltet? Was sind deine Erfahrungen damit? Ich freue mich auf dein Feedback!

Bis zum nächsten Mal, eure Anastasia.

Anastasia Egorova

Die Menschen für Großes, Neues und Wunderbares zu inspirieren – das hat sich Anastasia beim Institut für Berufliche Bildung (IBB) zur Aufgabe gemacht. Ihre Energie und Ideen schöpft sie aus unzähligen Quellen wie Fachveranstaltungen, Netzwerktreffen und Reisen.

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A L
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A L

Nichts gegen Matching, aber muss alles immer nur maximal spaßig und unterhaltsam sein? Das artikeleinleitende Bild kann man nur so kommentieren: was wohl die BG dazu sagt?

Thomas Horn
Admin
Thomas Horn

Hallo AL,

stimmt, das Bild ist natürlich überzogen. Wir nutzen diese plakative Bildsprache öfter und bewusst ganz gerne im Blog – quasi als ersten Hingucker. Tut mir leid, wenn das zu Irritationen führt; es handelt sich nicht unbedingt um eine realitätsnahe Darstellung.

Viele Grüße
Thomas vom Redaktionsteam