Wie aus Krisen Chancen werden – ein Beispiel, das Mut macht

Neue Perspektiven schaffen, Chancen nutzen, die Weichen auf Erfolg stellen – mit Formulierungen wie diesen hantiert man täglich, wenn man bei einem Anbieter für berufliche Weiterbildung arbeitet. Dabei merke ich immer wieder: So richtig greifbar werden sie im Kern erst, wenn man die einzelnen Geschichten dahinter genauer betrachtet. Und die Menschen, die sich – oft nach ernsten Krisen – beruflich wieder hocharbeiten oder gleich ganz neu erfinden.

Weiterbildung ist dabei zweifellos ein wichtiger Baustein. Aber besonders bewundernswert finde ich den Mut, Neues zu wagen, sich etwas zuzutrauen und die Herausforderungen zu überwinden. So wie Marc Pollner, der nach beruflichem Stress, Krankheit und Kündigung den (Aus-)Weg in die Selbstständigkeit ging und damit auf Anhieb erfolgreich war.

Seine inspirierende Geschichte seht ihr im Video, das ich euch besonders empfehlen möchte!

 

Und als Ergänzung … hier ein Interview mit dem Protagonisten, in dem er zusätzlich nützliche Tipps zum Sprung in die Selbstständigkeit gibt.

Herr Pollner, Sie haben sich 2015 selbstständig gemacht, nachdem Sie zuvor im Angestelltenverhältnis beschäftigt waren. Wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung?

Ursprünglich habe ich Architektur studiert und in einem Architekturbüro gearbeitet, das nach einiger Zeit aber in wirtschaftliche Schwierigkeiten kam. Ein Bekannter von mir, der Inhaber eines Unternehmens im Bereich Automotive Prototyping, bot mir einen Job an, den ich in der Situation gerne angenommen habe. Ich habe dort zunächst als Konstrukteur gearbeitet. Der Schwerpunkt verschob sich dann im Laufe der Zeit immer weiter in Richtung Projektmanagement und Projektleitung. Zum Schluss war ich dann vor allem für den Vertrieb zuständig.

„Irgendetwas stimmt in Ihrem Leben nicht. Sie müssen was ändern!“

Nach dem Verkauf des Unternehmens kam ein neuer Geschäftsführer, mit dem ich mich leider nicht so gut verstanden habe. Vor allem wurden auch die Kunden immer unzufriedener. In meiner Funktion saß ich zwischen den Stühlen. Diese schwierige Situation ist mir nach einiger Zeit auf die Gesundheit geschlagen: Es wurde ein Tumor in der Niere diagnostiziert. Die Ärzte sagten. „Irgendetwas stimmt in Ihrem Leben nicht. Sie müssen was ändern!“ Nach der Operation war ich lange krankgeschrieben und bekam die fristlose Kündigung.

Marc Pollner sitzt in seinem Büro.

Wie sind Sie dann zur Entscheidung gekommen,
Ihr eig
enes Unternehmen zu gründen?

Die ursprüngliche Idee entstand zunächst in einem Gespräch mit einem unzufriedenen Kunden meines letzten Arbeitgebers. So reifte die Idee in mir, dass ich mich selbstständig mache und das Projektmanagement mit externen Lieferanten weiter betreibe. Darüber musste ich erst einmal nachdenken, habe ein halbes Jahr lang überlegt und mit vielen Leuten, sowohl mit Kunden als auch mit Lieferanten, gesprochen. Schließlich habe ich bei der Agentur für Arbeit meine Pläne zur Selbstständigkeit vorgestellt. Sie haben mich voll unterstützt, eine sechsmonatige Anschubfinanzierung zur Verfügung gestellt und einen BWL-Grundlagenkurs beim IBB finanziert. Von Betriebswirtschaft im Detail hatte ich bis dato nicht so viel Ahnung.

Welche Herausforderungen bringt so eine Unternehmensgründung mit sich?

Es war eine schwierige Entscheidung, welche Unternehmensform die richtige ist. Dazu habe ich viele Bekannte und Bankberater konsultiert. Wichtig ist auch der Businessplan – hier hat mir der BWL-Dozent des IBB sehr geholfen. Am 1. September 2015 bin ich dann als Unternehmensgründer gestartet. Ich fing einfach von zu Hause aus an und brauchte nicht viel Startkapital. Die Kunden waren ja schon da, die kannten mich und vertrauten mir. Später habe ich ein Büro mit Werkstatt angemietet.

Was genau bieten Sie mit Ihrem Unternehmen an?

Ein Beispiel: Kunden, vorrangig aus dem Automobilbereich, kommen mit einem 3D-Datensatz zu mir – sie benötigen eine bestimmte Anzahl an Prototypen oder eine Kleinserie eines bestimmten Bauteiles. Ich berate sie, welches Herstellungsverfahren geeignet ist und preislich in ihr Budget passt. Im Auftragsfall werden die Bauteile dann bei einem meiner Fertigungspartner gefertigt. Ich bleibe für den Kunden Ansprechpartner und kümmere mich um die Projektabwicklung bis zur Lieferung.

„Man muss sich immer wieder was Neues einfallen lassen.“

2016, im Jahr nach meiner Gründung, war ein Kometenjahr! 2017 und 2018 ging der Umsatz unter anderem aufgrund der Dieselkrise und damit verbundener Probleme bei meinen Kunden etwas zurück. Ich muss mich inzwischen daher wieder stärker auf die Akquisition konzentrieren und Neukunden gewinnen. Einige Kunden kommen auch über Weiterempfehlung auf mich zu – ich kann mich daher nicht beschweren. Diesen Sommer bin ich in neue Räume eingezogen, auch um mehr Platz für die ein oder andere neue Geschäftsidee zu haben. Man muss sich immer wieder was Neues einfallen lassen. So etablieren wir gerade ein neues CarboMarc Pollner steht vor seinem verglasten Bürogebäude vor dem Firmenschild.nfaser-gefülltes Lasersintermaterial im Bereich 3D-Druck mit dem Namen FASTCARBON. Auch der Bedarf an Nachfertigungen für Bauteilen von Oldtimer wächst stetig, auch hier versuchen wir mit unseren Möglichkeiten Fuß zufassen.

Was würden Sie anderen raten, die überlegen, ihr eigenes Unternehmen zu gründen?

Es ist wichtig, vorher abzuklären, wie das Geschäftsmodell des Unternehmens funktionieren soll. Dazu sollte man vorab vielleicht schon mit potenziellen Kunden und Lieferanten sprechen, um das Thema auszuloten. Man muss sich sicher sein, dass man davon auch auf Dauer leben kann. Es reicht nicht, dass man sein Produkt selbst ganz toll findet. Gerade im B2C-Bereich muss man sehr gut recherchieren, an Empfehlungsmarketing arbeiten, einen guten Internetauftritt haben. Aber dafür sind Firmenkunden oft länger treu.

„Es reicht nicht, dass man sein Produkt selbst ganz toll findet.“

Auch das Umfeld muss mit der Selbstständigkeit natürlich klarkommen, man arbeitet oft länger und muss auch im Urlaub erreichbar sein. Und man hat mehrere Jobs in einem: Ich bin mein eigener Hausmeister, ich erstelle Angebote als Vertriebler, konstruiere und manage meine Projekte, ich fahre zu Kunden und Lieferanten, ich kümmere mich um das Thema Steuern …

Was schätzen Sie besonders an der Selbstständigkeit?

Die Flexibilität und den Freiraum. Wenn die Projekte alle laufen, hat man auch spontan Zeit für die Familie, um zum Beispiel die eine oder andere Stunde im Bikepark oder auf dem Reitplatz zu verbringen. Dafür ist aber auch, wenn die Projekte dies erfordern, Einsatz am Abend oder am Wochenende gefragt. Am Ende gleicht es sich aber ganz gut aus, man darf die Balance zwischen Job und Freizeit bzw. Familie nicht aus den Augen verlieren.

Thomas Horn

Alles rund um das geschriebene Wort – das ist Thomas' berufliches Metier beim Institut für Berufliche Bildung (IBB). Die Aufgaben reichen von der Produkt- und Online-Kommunikation bis zur Unterstützung im Bereich Presse/PR. Thomas erstellt außerdem Broschüren, Flyer und andere Printmaterialien und kümmert sich um die Newsletter.

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