Wie viel bist du wert? 5 Instrumente für eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung

Wie oft hast du dir gedacht, dass du eigentlich viel mehr wert für deinen Arbeitgeber bist, als dein Konto es am Ende des Monats zeigt? Woran lässt der Wert sich messen und wie kannst du die Gehaltsverhandlung effektiv angehen? Genau darum geht es heute!

Es gibt mindestens drei Situationen, in denen du dir Gedanken über deinen Gehalt machst: Bei einer Neubewerbung, nach einigen Jahren im Unternehmen oder bei einem Positionswechsel.

Für alle gilt dieselbe Regel: Du solltest den Markt kennen und einen Vergleichswert haben.

Trick Nr. 1: „Benchmark“

In Deutschland spricht man ungern über die Gehälter, daher wirst du sehr wahrscheinlich keinen Erfolg dabei haben, deine Freunde und Bekannte auszufragen. Dafür gibt es gute Quellen online, z. B. bei Glassdoor.com oder Gehaltsvergleich.com, gehalt.de oder absolventa.de. Diese Datenbanken leben durch aktives Eintragen von Informationen durch die Seitenbesucher (du kannst also auch zur fairen Gehaltsverteilung beitragen, indem du anonym über deine Erfahrung erzählst).

Dein Vorteil: Ziemlich aktuelle Informationen aus der ersten Hand, weniger Schätzungen und mehr reale Beispiele.

Trick Nr. 2: „Geschichte erzählen“

Ich habe es irgendwie mit dem Geschichtenerzählen, nimm es mir nicht übel. Warum? Nun, in einem Unternehmen von mehreren dutzenden oder gar hunderten und tausenden Mitarbeitern ist es für den Chef nicht immer einfach, sich die einzelnen Werdegänge zu merken. Selbst wenn er sich auf die Gehaltsverhandlung mit dir vorbereitet, werden nur trockene Akteneinträge gelesen (im besten Fall wird mit anderen Kollegen gesprochen). Wie du aber jenes Projekt mit einem Gesamtumsatz von 1 Mio. Euro abgewickelt hast oder wie deine Erfindung ein Prozess im Unternehmen viel effektiver und kostengünstiger gemacht hat – das kann gerne untergegangen sein.

Wichtig deshalb: Erinnere an deine Erfolge! Hier haben wir eine passende Anleitung vorbereitet.

Dein Vorteil: Du führst dir selbst noch mal vor Augen, was du eigentlich erreicht hast. Das gibt dir in jedem Fall ein gutes Gefühl 😉

Trick Nr. 3: „Bewahre die Ruhe“

Was für ein Ratschlag, oder? Doch das ist super wichtig in jeder Verhandlung. Wenn die Kommunikation über E-Mails stattfindet, kannst du von der Distanz profitieren und zwischen den Aussagen eine Bedenkpause einlegen. Eine mündliche Gehaltserhandlung kann unter Umständen hitzig werden, denn für jede Partei geht es um die Verteidigung der eigenen Interessen. Im Idealfall möchten die beiden (oder mehrere Seiten) ja ein zufriedenstellendes Ergebnis erreichen. Nur leider geht nicht immer alles nach Plan. Deshalb sind Ruhe, Distanz und Zeit deine guten Helfer.

Zwei Männer machen Armdrücken auf Hundert-Euro-Scheinen.
Bei einer Gehaltsverhandlung kann es schon mal etwas härter zur Sache gehen.
Trick Nr. 4: „Hole dir einen Rat.“

In der Gehaltsverhandlung ist es wie in jeder anderen Situation im Leben: Man kann ganz schnell einen Tunnelblick entwickeln. Dieser hilft natürlich nur bedingt, eine richtige Lösung zu finden. Meine Erfahrung zeigt, dass allein schon der mündliche Austausch mit einem Freund oder Familienmitglied dabei helfen kann, eigene Gedanken zu sortieren. Aus meiner Sicht ist die Artikulation des Problems quasi schon die halbe Lösung, denn wenn man über die Sache nur nachdenkt, blendet man viele wichtige Details unbewusst aus. Besonders wenn es dabei um etwas Wichtiges geht und die ganze Geschichte bereits langsam aus dem Ruder läuft.

Nicht umsonst haben die Politiker oder Geschäftsleute ihre Berater. Diese helfen eben dabei, in komplizierten Sachlagen die Gedanken zu strukturieren.

Nicht vergessen: Das Thema deiner Verhandlung kann unter Umständen dem Datenschutz unterliegen. Plaudere also nichts aus, was nur für die Ohren deines Opponenten bestimmt ist.

Trick Nr. 5 „Nutze den Verhandlungsplan.“

Professionelle Verhandler haben diesen Plan stets vor Augen. Begriffe wie BATNA, ZOPA und Walk Away Point sind für sie selbstverständlich. Du musst allerdings kein Profi sein, um von diesen Kenntnissen zu profitieren.

Hier gebe ich eine kurze Anleitung, wie du dir deinen Verhandlungsplan (Negotiation Canvas) aufbauen kannst!

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Was ist ein Walk Away Point?

Das ist ein Punkt, an dem du die Verhandlung definitiv abbrichst, weil deinen Interessen in keiner Weise entsprochen wird. Diesen Punkt sollst du dir bereits vor der Verhandlung überlegen. Er ist individuell für jede Situation.

Wie fülle ich den Verhandlungsplan aus?

Deine eigene Seite wird dir nach einiger Vorbereitung relativ leichtfallen. Die Seite des Gegners basiert auf deinen Annahmen und Fakten, die dir bekannt sind.

Hilft mir dieser Plan, jede Verhandlung zu gewinnen?

Jein. Man kann das Ergebnis einer Verhandlung nicht vorhersehen. Jedoch hilft dieser Plan, deine Gedanken und Argumentation zu strukturieren. Außerdem kannst du klar festlegen, worauf du dich einlassen würdest und worauf auf keinen Fall.

Viel Erfolg bei deiner Gehaltsverhandlung!
Bis zum nächsten Mal, Eure Anastasia.

P.S. Gefällt dir unser neues Format mit kleinen Erklärvideos? Schreib uns deine Meinung und teile das Video gerne weiter!

Anastasia Egorova

Die Menschen für Großes, Neues und Wunderbares zu inspirieren – das hat sich Anastasia beim Institut für Berufliche Bildung (IBB) zur Aufgabe gemacht. Ihre Energie und Ideen schöpft sie aus unzähligen Quellen wie Fachveranstaltungen, Netzwerktreffen und Reisen.

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Nadine Hak
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Nadine Hak

Negotiation Canvas: auf den Punkt gebracht durch optische Strukturierung und greifbar/haptisch durch das Papier/das Heft. Danke für den Gedankenanstoß.

Noah
Gast
Noah

Hey 🙂 Super hilfreicher Beitrag! Vielen Dank! Ich hab jetzt grade mein Abitur fertig und es fällt mir unheimlich schwer mich zu orientieren. Bezüglich der Gehalts-Frage habe ich diverse Seiten, wie z.B.: “ https://www.gehalt-infos.de/jobs/erzieher/ “ gefunden. Jetzt zu meiner Frage: Kann ich solchen Gehaltsangaben überhaupt trauen? Manche Zahlen auf anderen Webseiten erscheinen mir relativ willkürlich…

Vielen Dank und viele Grüße

Noah

Thomas Horn
Admin
Thomas Horn

Hallo Noah,

das ist eine berechtigte Frage. Am ehesten trauen würde ich den Angaben auf Seiten, die eindeutig von bekannten und seriösen Betreibern stammen.
Dazu gehört zum Beispiel der Entgeltatlas der Agentur für Arbeit: https://con.arbeitsagentur.de/prod/entgeltatlas/
Oder dieser Lohnspiegel: https://www.lohnspiegel.de/index.htm

Wir hoffen, dass du einen passenden Job mit angemessenem Gehalt findest!

Viele Grüße
Thomas vom Redaktionsteam