Den Wandel aktiv gestalten: Fachwirte als Leitfiguren der Digitalisierung

Was bedeutet die Digitalisierung für mich, meinen Job und meinen Arbeitsalltag? Werde ich bald von Robotern ersetzt? Mit Fragen wie diesen haben wir uns auf diesem Blog bereits beschäftigt. Und natürlich lautet die Antwort oft: Kontinuierliche Weiterbildung ist essenziell, um Schritt zu halten und seinen aktuellen Arbeitsplatz unter sich verändernden Bedingungen und Anforderungen zu sichern.

Heute gehen wir einen Schritt weiter und widmen wir uns der „Flucht nach oben“: Denn während durch Digitalisierung viele Routinearbeiten oder simplere Bürotätigkeiten automatisiert werden, kann eine Aufstiegsfortbildung eine Strategie sein, den digitalen Wandel für sich als neue Chance zu nutzen. Denn die Digitalisierung verlangt nicht nur nach individueller Anpassung der „normalen“ Mitarbeiter, sondern auch nach Führungskräften, die den Wandel in den Unternehmen aktiv mitgestalten. Zum Beispiel als Fachwirt.

„Echt, Fachwirt?“, sagt ihr jetzt vielleicht. Denn zunächst klingt die Bezeichnung ja nicht unbedingt nach Fortschritt und digitalem Wandel. Gerade deshalb ist es wichtig, einen Blick hinter die Fassade des etwas biederen Titels zu werfen.

Wer nichts wird, wird Wirt? Im Gegenteil!

Wer Fachwirt werden will, erreicht den Abschluss über eine sogenannte Aufstiegsfortbildung. Hier ist der Name Programm: Sie dient dazu, sich für gehobene Aufgaben im mittleren Management oder in Führungspositionen zu qualifizieren – auch ohne Studium.

Dabei hat man die Wahl zwischen verschiedenen Schwerpunkten, die sich an unterschiedlichen Branchen orientieren. Die Bandbreite reicht zum Beispiel von der Industrie oder der Immobilienbranche über Vertrieb im Einzelhandel bis hin zum Gesundheits- und Sozialwesen. Branchenunabhängig besonders beliebt sind der Wirtschaftsfachwirt und der Geprüfte Betriebswirt.

Unabhängig von dieser Schwerpunktsetzung ist der größte Teil der Fachwirt-Ausbildung aber sehr ähnlich aufgebaut – und bewusst sehr breit angelegt. Die Inhalte reichen vom Einkauf über Marketing und Vertrieb über Projektmanagement und Personalwesen bis hin zu Finanzen und Controlling. Eine fundierte Kenntnisvermittlung in Unternehmensorganisation und -führung bildet die Basis. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen und internationale Wirtschaftsbeziehungen werden behandelt.

Fachwirte schließen damit als begehrte Allrounder ab, die in höheren Positionen die verschiedenen Unternehmensbereiche überblicken und koordinieren können.

Und was hat das jetzt mit Digitalisierung zu tun?

Viele Unternehmen sehen in der Digitalisierung eine Menge Potenzial: Sie möchten neue technische Möglichkeiten nutzen, um Prozesse zu optimieren, effizienter zu produzieren, digitale Vertriebswege einzuführen und Arbeitsaufgaben zu erleichtern. Neben neuen Berufen wie beispielsweise Roboter-Koordinatoren, Data-Mining-Spezialisten oder 3D-Druckspezialisten sind übergeordnet Leute gefragt, die den digitalen Wandel zum Vorteil des Unternehmens gestalten und mögliche Schwierigkeiten minimieren.

Mit ihrem betriebswirtschaftlichen Hintergrund, aber besonders auch mit ihren interdisziplinären Kompetenzen können Fachwirte hierbei ihren Trumpf ausspielen.

Geschäftsführer schätzen Fachwirte als „praxisorientierte Macher“, die helfen können, die verschiedenen Prozesse und Unternehmensbereiche ganzheitlich mit der unternehmerischen Gesamtstrategie zu vereinen. Gleichzeitig können sie sich um deren konkrete Umsetzung kümmern – etwa in Form einer intelligenteren Vernetzung von Mensch, Organisation und Produktion.

Dabei handelt es sich natürlich um komplexe Aufgaben, für die sich Fachwirte als Allrounder optimal eignen. Prozesse gestalten sich schließlich nicht von alleine neu. Und Innovation ist kein Selbstzweck, sondern soll letztendlich die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und sich für das Unternehmen auszahlen.

Oft geht es um Fragen wie diese: Wie kann Automatisierung nutzbringend im Unternehmen eingesetzt werden? Welche neue Software kann weiterhelfen? Welche vernetzten Technologien bringe welche Vorteile? Wo kann künstliche Intelligenz eine Rolle spielen? Was bedeutet das für die Mitarbeiter? Ein spannendes Feld!

Fachwirte gehören zu denen, die bei der Digitalisierung den Überblick behalten.

Wo werden Fachwirte für die Digitalisierung gebraucht?

Im Prinzip überall, denn digitale Anwendungen machen vor keinem Bereich wirklich Halt und verbreiten sich branchenunabhängig in der Industrie, im Büro und vermehrt auch im handwerklichen Bereich. Unternehmen bewerten die Digitalisierung zunehmend als sehr wichtig. Der Einsatz digitaler Technik ist bereits keine Ausnahme mehr, sondern wird mehr und mehr zur Regel. Kollaborationssoftware, mobiles Arbeiten oder cloudbasierte Datenbanken sind dafür nur wenige Beispiele.

Technologische Entwicklungen sorgen ständig für neue Möglichkeiten, die für Unternehmen interessant sind. Sie können helfen, bestehende Probleme zu lösen und vorteilhafte Arbeitswelten zu schaffen. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei der Digitalisierung allerdings nur im Mittelfeld. Und etwa ein Viertel der Unternehmen steht noch ziemlich am Anfang. Es gibt also Aufholbedarf!

Für Fachwirte besonders attraktiv können mittelständische Unternehmen sein, um den digitalen Wandel zu begleiten und voranzutreiben. Denn anders als Großunternehmen, die dafür oft externe Berater einsetzen, können oder wollen sich das kleinere Unternehmen nicht leisten. Sie setzen auf Eigenregie, also internes Personal mit entsprechendem Know-how.

Wie wird man Fachwirt?

Die Aufstiegsfortbildung zum Fachwirt bereitet zielgerichtet auf Fach- und Führungsaufgaben vor. Besonderer Vorteil: Absolventen haben damit auch ohne Studium die Möglichkeit, in „höhere Etagen“ aufzusteigen, die sonst nur Akademikern vorbehalten sind. Auch das Gehalt entwickelt sich dann natürlich meist nach oben.

Verschiedene Angebote und Fachrichtungen:
Das IBB bildet seit vielen Jahren erfolgreich Fachwirte aus. Neben Angeboten in Vollzeit – zum Beispiel für Arbeitssuchende – gibt es bei einigen Fachrichtungen auch die Möglichkeit, Abendkurse zu besuchen. Das bietet besonders Berufstätigen eine optimale Möglichkeit, die Weiterbildung in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Einen Überblick über die verschiedenen Fachwirte findet ihr hier!

Voraussetzungen:
Als Voraussetzung gelten …

  • ein erfolgreicher Abschluss in einem anerkannten (optimalerweise kaufmännischen) Ausbildungsberuf mit mindestens einjähriger (je nach Ausbildungsberuf dreijähriger) Berufspraxis oder
  • ein erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium mit mindestens zweijähriger Berufspraxis oder
  • eine dreijährige (bei einigen Fachrichtungen fünfjährige) Berufspraxis.

Abschluss:
Die Fortbildung endet mit einer Prüfung vor der IHK und bietet damit einen etablierten Abschluss, der auf dem Arbeitsmarkt eine hohe Anerkennung genießt. Er ist laut Deutschem Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (DQR) mit dem akademischen Bachelor-Niveau vergleichbar, beim Geprüften Betriebswirt sogar mit dem Master.

Aufwand:

  • Die Fortbildung in Vollzeit umfasst in der Regel 900 Unterrichtseinheiten bzw. 20 Wochen (je nach Fachrichtung leicht abweichend). Der virtuelle Live-Unterricht beim IBB findet hierbei täglich am Schulungsstandort statt, wobei euch hunderte Standorte bundesweit zur Auswahl stehen.
  • Die Fortbildung als Abendkurs für Berufstätige, die bei einigen Fachrichtungen angeboten wird, umfasst etwa 400 Unterrichtsstunden (beim Geprüften Betriebswirt 690) plus 140 bis 250 Stunden Selbstlernstudium. Der Unterricht findet an zwei Werktagen abends und etwa einmal monatlich samstags statt. Ihr könnt euch einfach über euren Computer im Büro oder zu Hause einloggen, der Live-Veranstaltung folgen und über Headset mit den Dozenten und anderen Teilnehmenden kommunizieren. Damit lässt sich die Fortbildung bequem berufsbegleitend integrieren.

Förderungen:
Bei Arbeitssuchenden kann die Fortbildung per Bildungsgutschein zu 100 % gefördert werden. Bei Berufstätigen bieten ebenfalls diverse Förderprogramme von Bund und Ländern gute Chancen auf einen Zuschuss – oder natürlich der aktuelle Arbeitgeber, der schließlich von eurem Know-how profitiert.

Allgemein gilt: Je höher das Fachwissen und sein kreativer Einsatz, desto bessere Chancen in Zeiten der Digitalisierung. Genau hier setzt die Fortbildung zum Fachwirt an.

In diesem Sinne: Die Digitalisierung kann kommen!

Thomas Horn

Alles rund um das geschriebene Wort – das ist Thomas' berufliches Metier beim Institut für Berufliche Bildung (IBB). Die Aufgaben reichen von der Produkt- und Online-Kommunikation bis zur Unterstützung im Bereich Presse/PR. Thomas erstellt außerdem Broschüren, Flyer, andere Printmaterialien und was sonst alles noch anfällt.

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